Zülfü Livanelis aufwändiges Dokudrama über den Begründer der Türkei
Der türkische Musiker, Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmemacher Zülfü Livaneli meldet sich nach langer Regiepause mit der bisher aufwändigsten Filmproduktion der Türkei zurück - und setzt mit »Veda - Atatürk: Der Abschied« dem Gründer der modernen Türkei ein weiteres makelloses Denkmal.
Der Mann ist seit Jahrzehnten tot und in der Türkei dennoch allgegenwärtig. Schulkinder schwören ihm jeden Morgen einen Eid, soweit geht die Verehrung, dass ein Dokumentarfilm über den »unvergleichlichen Helden«, der zu seinem 70. Todestag im November 2008 in die türkischen Kinos kam, für einige Furore sorgte. Regisseur Can Dündar hatte es gewagt, den »Vater der Türken« nicht nur als Kultfigur, sondern auch von seiner menschlichen, schwachen und rücksichtslosen Seite zu zeigen.
Makelloses historisches Bild
Zülfü Livaneli dürfte jedenfalls in dieser Hinsicht von Kritik verschont bleiben. Er zeichnet das makellose historische Bild eines schieren Übermenschen, der schon als Kind die Anlagen eines wackeren Staatsmannes in sich vereinte: rechtschaffen, aufrecht, führungsstark und strategisch raffiniert.
Geradlinig erzählt wird das blütenweiße Biopic aus der Sicht von Atatürks Adjudanten Salih Bozok (Sinan Tuzcu). Der blickt am Bett des sterbenden »Gazi« zurück auf eine Männerfreundschaft, die in Kindertagen begann, in der Kadettenschule und an Kriegsfronten vertieft wurde, die den Zerfall des Osmanischen Reiches überdauerte und nach der Gründung der Republik fortbestand. Dass am Ende dem Tod des einen der Selbstmord des anderen folgt, wird schon in den ersten Szenen klar. In einer solchen Chronik zweier angekündigter Tode ist natürlich jede Menge Raum für Pathos.
Dokudrama im TV-Stil
Dabei hat Livaneli keinen Spielfilm à la Hollywood geschaffen. Vielmehr eine Art Dokudrama im TV-Stil. Die konventionell gefilmten Szenen - am Sterbebett Atatürks in Schwarzweiß - kommen ziemlich inszeniert daher, auf dem Schlachtfeld wird dagegen in Slow-Motion gestorben. Der große Staatsgründer, der sich am Westen orientierte, den Frauen den Schleier verbot und den Männern Hüte verordnete, wird einem dabei nicht näher gebracht. Auch wenn Livaneli versucht, ihn etwa als besorgten Sohn oder Freund mit Emotionen auszustatten, bleibt Atatürk immer die unnahbar strahlende Lichtgestalt - umwoben von Heroenlegenden und einigem Propaganda-Kitsch. Sein Denkmal bekommt keine Kratzer.
jetzt in allen dt. kinos!
Quelle: nürnberger nachrichten