Reiseleiter-Praktikantinnen Cristin und Lisa am Flughafen von Mallorca
"Ich weiß gar nicht, ob ich für diesen Job geeignet bin!" Die Abiturientin Lisa aus Dresden hat da so ihre Zweifel. Sich mit Beschwerden von Urlaubern herumärgern, Hotels umbuchen, Ausflüge verkaufen - so richtig kann sie sich das alles noch nicht vorstellen. Cristin dagegen, ebenfalls Abiturientin, sieht sich schon weit weg von ihrem Heimatdorf im Taunus, unterwegs in der weiten Welt, von einem Einsatzort zum anderen.
Beide machen ein sechswöchiges Praktikum als Reiseleiterin. Sie nehmen Teil am Abiturientenprogramm eines großen Reiseveranstalters. Für beide ist es das erste - aber sicher nicht das letzte - Praktikum, genaue beruflichen Pläne haben sie noch nicht. Beide wollen studieren, möglicherweise irgendwas im Bereich Tourismus, vielleicht aber auch Lehramt für die Grundschule, französisches Recht oder etwas ganz anderes. Praxiserfahrung im Ausland macht sich in jedem Fall gut in einer jungen Biografie, sie signalisiert zukünftigen Arbeitgebern Weltoffenheit, Sprachkenntnisse, Flexibilität und kulturelle Offenheit.
Für den Reiseveranstalter schafft der Einsatz der insgesamt 20 jungen Praktikantinnen eine Entlastung der überarbeiteten Reiseleiter in der Hochsaison, und einen Imagegewinn: Wir kümmern uns um die Ausbildung der jungen Leute, so lautet die Botschaft. Und wenn die eine oder andere Abiturientin durch das Praktikum eine berufliche Bindung ans Unternehmen aufbaut - dann hat sich das Ganze erst recht gelohnt.
Verstärkung in der Hochsaison Mit Pauschaltourismus haben weder Lisa noch Cristin bisher eigene Erfahrungen gemacht, nur so viel ist beiden klar: Reiseleiter, das sind die mit dem Schild in der Hand, die immer schon am Flughafen stehen, wenn die Urlauber ankommen. Die immer lächeln und viel zu blass aussehen für die viele Sonne. Und die im Urlaub definitiv nicht zum Spaß da sind. Entsprechend prall sieht der Vorbereitungskurs der Praktikantinnen aus: fünf Tage voller Rhetoriktraining, Formularwesen und Beschwerdenmanagement. Erst danach werden die jungen Praktikantinnen auf die Urlauber losgelassen, in verschiedenen touristischen Zielgebieten, als Verstärkung in der Hochsaison. Lisa und Cristin landen an der Nordküste Mallorcas.
Die Reportage begleitet die beiden Reiseleiter-Praktikantinnen bei der Vorbereitung und bei ihren Erfahrungen im harten Einsatz am Gast. Sechs Wochen lang sind sie zuständig fürs ungetrübte Urlaubsglück von Tausenden Pauschaltouristen, zwischen Flughafendienst, Begrüßungstreff und Hotelsprechstunde. Die Reportage zeigt die schönsten Wochen des Jahres aus einer ungewöhnlichen Perspektive.
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