Stellen sie sich einen deutschen Polizisten vor, der die angewandten Gesetze nicht kennt! Gibts nicht, können es sich auch nicht vorstellen? Kann in einem Bürokratieland wie Deutschland auch nicht passieren. Weit gefehlt! Was man von einer Bananenrepublik erwarten würde, macht Deutschland vor: Visa und Konzertplakat für die Einreise.
Den Polizeibeamten ist die merkwürdige Behandlung von türkischen Staatsbürgern bei Einreisekontrollen nicht anzulasten. Sie tun ihre Pflicht, befolgen Anweisungen. Das Beamte die eigenen Visa-Aufdrucke nicht kennen, kann keiner ernsthaft in Erwägung ziehen. Dafür sind die Visa-Aufdrucke einheitlich und beinhalten alle relevanten Daten des Passbesitzers, der in das Land mit der Visa einreisen will, auch den Grund.
Bei türkischen Staatsbürgern scheint es aber eine Besonderheit zu geben. Sind im Visa-Aufdruck dass die deutschen Vertretungen in der Türkei in den Reisepass aufkleben, unsichtbare Hologramme oder Merkmale enthalten, in der "Vorsicht Türke" steht? Oder wieso verhält sich die Polizei merkwürdigerweise bei den türkischen Einreisenden komisch und kennt die eigenen Visa-Aufdrücke nicht mehr und will weitere Belege, mit der ein Reisender den Zweck seiner Einreise unter Beweis stellen muss! Der Fall Faruk K, dem genau das widerfahren ist, sollte nicht der erste und wohl nicht der letzte Fall sein. Bereits in der Vergangenheit wurden andere türkische Stars wie Ferdi Tayfur (Dezember 2009) oder der bekannte Komödiant und Fernsehstar Cem Yilmaz mit ähnlichen Problemen bei der Einreise oder Visa-Erteilung konfrontiert. Ferdi Tayfur wurde die Visa aus unbekannten Gründen zuerst verweigert; dass dürfen die Vertretungen ohne Angaben von Gründen. Erst 3 Wochen später erteilte man ihm die Visa, da war das Konzert bereits abgesagt. Tausende Fans mussten umdisponieren, dem Veranstalter kamen immense Kosten zu. Jetzt erwägt Ferdi Tayfur eine Schadensersatzklage. Recht so, wenn er im Recht ist, sollte er sich diese Behandlung nicht gefallen lassen. Schliesslich besitzt er nach dem EuGH das Recht, Deutschland auch ohne Visa zu bereisen. Das er es trotzdem genau nimmt und die Regelung der deutschen Vertretung anwendet, wird ihm auch nicht gedankt.
Die Dunkelziffer, in denen türkischen Staatsbürgern die Visa verweigert wird, dürfte jährlich in die Tausende gehen. Statistische Zahlen werden nicht bekannt gegeben, gibt es nicht, somit gibt es auch kein Problem. Die Last tragen hingegen die Verwandten hier, die Kosten auf sich nehmen, Flüge organisieren oder Versicherungen für den Einreisenden vorab abschließen, sowie die Reisewilligen, die lange Fahrten auf sich nehmen, um in den deutschen Vertretungen die Visa-Anträge auszufüllen. Ein Berg von Formularen, die belegen, dass der Reisende nicht illegal bleiben will, u.a. Nachweise über Grundbesitz und Konto mit genügender Deckung und Sozialversicherungsnachweis werden obligatorisch verlangt. Die Strapazen die man auf sich nimmt ist groß, die Ernüchterung danach auch. Die Behörden tun so, als müssten sich die türkischen Staatsbürger in diese Regelung fügen und Unkosten ertragen, auch wenn die Visa letztendlich verweigert wird. Müssen sie nicht, lautet unmissverständlich das Soysal-Urteil des EuGH. Dass die deutsche Regierung weiterhin so tut, als ob es dieses Urteil des EuGH nicht gibt, ist eine andere Frage, aber dass die Türkei immer noch so tut als ob es mit den Deutschen kein Problem hinsichtlich der Visa-Frage gebe, ist eine weitaus interessantere Frage. Zwar hat Europaminister Egemen Bagis die Visa-Frage zur Chefsache gemacht, aber das war vor Jahren auch mal der Fall. Getan hat sich seitdem nichts.
Bis dahin werden wohl weiterhin Tausende Reisewillige Türken, die ihre Verwandtschaft in Alamanya besuchen möchten, türkische Geschäftsleute die ihre Waren an den Mann bringen oder Einkäufe tätigen wollen, auf die Willkür der deutschen Behörden weiterhin vertrauen müssen. Entweder wird es was, so Allah will oder eben nicht. Nur wenige Schreien auf, die meisten fügen sich dem deutschen (Vor)Urteil und nichts anderes ist das. Dabei sind das nicht die einzigen Gängeleien, mit denen Türken wegen der Visa zu tun haben. Fast täglich berichten türkische Medien über Ehemänner und Ehefrauen, die ihre Liebsten im Zuge des Familienzuzugs nicht nach Alamanya holen können. Begründet wird das mit der sprachlichen Barriere, die Einreisewillige Importbräute und -männer aus unterschiedlichen Gründen nicht überwinden können. Da kann es schon mal vorkommen, dass jahrelang Ehegatten und Ehegattinnen auf den Partner warten und nicht wie angenommen erst der Tod, sondern mit der deutschen Visa getrennt werden.
Türkische Rechtsanwälte, Politiker und Verbände in Deutschland drängen weiterhin auf das ihnen zustehende Recht jedes einzelnen Türken, der in Deutschland lebt. Die Türken hingegen sind wohl genügsamer und treuer als der Deutsche selbst. Kein Aufbegehren, keine Anstalten, keine merklich angestiegenen Rechtsfälle in diesen Rechtsfragen. Stattdessen nur die Schlagzeilen in den Lettern, die den einen oder anderen fast täglich erscheinenden Fall ausschlachten. Was will der deutsche Politiker mehr. Berechenbar, kalkulierbar und genügsam wie sie eben sind, ertragen die Türken auch das.
Faruk K der erst mit einem Plakat den Alamanischen Boden betreten konnte, fragte sich wohl auch, ob die Beamten die eigene Urkunde nicht erkennen und deshalb zusätzliche Belege für den Grund seiner Einreise fordern. Lieber Faruk K, du bist nicht der einzige und nicht der letzte, der mit solchen Querschlägen zu tun hat. Es sind auch nicht die Polizeibeamte, denen man das ganze Prozedere unterjubeln kann. Es ist die deutsche Politik, die auf der einen Seite so tut als ob, auf der anderen Seite aber jede Möglichkeit nutzt, um die Törkengefahr in Zaum zu halten und von jeglicher törkischer Unkultur zu bewahren. Schließlich sollte man sich aber auch an die türkische Regierung wenden, die es bisher versäumt hat - das Problem besteht ja seit den 70ern - den Deutschen auf die Finger zu klopfen. Erst zwei berufstätige LKW-Fahrer waren im Stande, dem deutschen Unsinn zumindest im Europäischem Rechtsraum Gehör zu verschaffen. Eine Türkische Republik vermochte diese Herkules-Arbeit nicht zu stemmen. Von einer echten Partnerschaft kann daher zwischen diesen Staaten mit Fug und Recht gesprochen werden.
Deutschland will wohl Verhältnisse wie in den 60er und 70er Jahre schaffen, wo Ehegattennachzug erschwert war, Arbeiter kontrollierbar in Baracken gehalten wurden und wo es Probleme im Ausländerrecht oder Assoziierungsverträge nicht gab, weil keine existierte.
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