Die Urlaubszeit ist Hochsaison für Wanzen und Flöhe. Häufig werden die Tiere unbeabsichtigt aus Zeltlagern oder Hotels mitgebracht - und dann zur Plage.
In Berlin meldeten sich Anfang der Neunzigerjahre rund 10 zerstochene Menschen jährlich beim Berliner Betrieb für Zentrale Gesundheitliche Aufgaben (BBGes), 2006 waren es 57, 2005 sogar 89. "In diesem Jahr hatten wir bereits bis Ende Juli 76 Meldungen von Flohbefall", berichtet die Biologin Karolin Bauer-Dubau, die beim BBGes für das Schädlingsmanagement zuständig ist. Dabei steht der Höhepunkt noch aus - er ist in der Regel im Frühherbst.
Nicht nur die amtlichen Schädlingsexperten stellen heute häufiger als früher einen Befall mit Flöhen und Wanzen fest. "Vor allem die Entwanzungseinsätze haben deutlich zugenommen, zum Beispiel in Hotels aller Kategorien", berichtet Mario Heising, der Vorsitzende des Berliner Landesverbandes des Deutschen Schädlingsbekämpferverbands. Etwa doppelt bis dreimal so oft wie vor einigen Jahren werden er und seine Kollegen um Hilfe gebeten. Wie viele Menschen genau von Ungeziefer belästigt werden, ist nicht bekannt. Wanzen, Flöhe und Kakerlaken sind nämlich nicht meldepflichtig.
Den Befallenen ist ihre Situation vor allem peinlich. Denn noch immer gilt das Auftreten der Schädlinge als Indiz für unsaubere Zustände. Die Dokumentation von Karolin Bauer-Dubau zeigt jedoch, dass das ein Irrtum ist: Jeder kann von den Schädlingen befallen werden, auch Leute aus Villengegenden und Haustierhasser. Es genügt, dass die alte Dame von unten links streunende Katzen in den Keller lässt. Es reicht aus, im Park zu spazieren oder die Bettdecke beim Lüften aus dem Fenster in die Nähe eines Vogelnestes zu platzieren.
In Berlin kommen von den weltweit mehr als tausend Floharten meist nur acht vor. Fast in jedem dritten Fall handelt es sich um den Katzenfloh. Auch Vogelflöhe sind recht häufig, besonders im Frühjahr zur Nistzeit. Seltener tauchen Igel-, Fuchs-, Hunde- und Rattenflöhe auf, hin und wieder auch der Menschenfloh. Alle Flöhe haben ihren Lieblingswirt, von dem auch ihr Name abgeleitet wird.
Die ein bis vier Millimeter großen Flöhe hinterlassen oft kleine, juckende Quaddeln. Sie sind die Spuren eines Zweikanal-Stechapparats. Durch einen Kanal saugt der Floh Blut, durch den anderen pumpt er Speichel in den Stich, der das Blut flüssig hält. Die Stiche liegen häufig in einer Reihe, der sogenannten Flohleiter, weil das Tier selten auf Anhieb ein Blutgefäß erwischt. Meist kann es sich erst nach einigen Probestichen satt trinken. Manchmal sind die Tiere auch gefährlich. In Flöhen, Wanzen und anderem Ungeziefer haben Wissenschaftler schon Hepatitis-Viren, Erreger für Hirnhautentzündung und Fleckfieber gefunden. Dass sich ein Mensch durch die Insekten mit diesen Krankheiten infiziert hätte, wurde bisher aber noch nicht zweifelsfrei nachgewiesen.
Wirklich gut erforscht sei das Miteinander von Flöhen, Wanzen und Menschen nicht, bemängelt Bauer-Dubau. Anders als bei den Zecken gebe es zum Auftreten von Flöhen und Wanzen bislang kaum Studien und Statistiken. Und die zuständigen Behörden der Länder behielten ihre Daten meist für sich, berichtet die Berliner Biologin. Umso schwieriger sei es, die Verbreitungswege der Schädlinge zu erkennen und herauszufinden, welche Krankheiten sie übertrügen und wie es zu einer Ansteckung komme.
Fest steht jedoch: Je mehr gereist wird, desto wahrscheinlicher ist es, mit infizierten Insekten in Berührung zu kommen. Einige Jugendherbergen und manche Hotels sind wahre Tauschbörsen für Ungeziefer. Während Bettwanzen meist aus Osteuropa kommen, werden Flöhe eher aus den Ländern rund ums Mittelmeer eingeschleppt, berichtet Bauer-Dubau. Sie reisten im Gepäck der Urlauber ein oder auf deren Haustieren.
Ist das Ungeziefer erstmal im Haus, empfiehlt die Biologin folgende Gegenmaßnahmen: Das Bettzeug waschen und staubsaugen - und zwar mehrmals täglich in allen Bodenritzen und Polsterfugen, Steckdosenlöchern und Polsternähten, denn dort liegen Eier und Larven der Schädlinge. Außerdem sei es sinnvoll, einige Exemplare des Ungeziefers den zuständigen Behörden zu geben; in Berlin ist das der BBGes. Bauer-Dubau: "Die Tiere sollten tot sein, damit die Schädlinge nicht die Büros unsicher machen." Dabei sei es wichtig, die Insekten nicht zu zerquetschen; besser ersäufe man sie. Dann sei eine genaue Bestimmung der Art und eine gezielte Bekämpfung möglich.
"Bei Flohbefall beispielsweise werden oft Lösungen versprüht, die mehrere Wirkstoffe enthalten", sagt der Schädlingsbekämpfer Mario Heising. Dazu zählen spezielle Fettsäuren - sie töten die erwachsenen Tiere sofort - aber auch Wachstumshemmer, die verhindern, dass sich die Larven weiterentwickeln. Heising: "Für Menschen sind die Anti-Floh-Mittel nicht gefährlich."
Quelle: berlinonline.de