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Autor Thema: Noch ein Geheimtipp: Die türkische Republik Nordzypern  (Gelesen 2051 mal)

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am: 09. November 2010, 16:58:39

kedi

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Traumziel auf Umwegen

Zypern, die östlichste Insel im Mittelmeer, ist vor allem für Winterflüchtlinge ein begehrtes Ziel. Aber die Welt der Strandläufer und Sonnenanbeter endet an einer Grenze, die quer über die Insel verläuft.

Dahinter Traumstrände und antike Kostbarkeiten, die sich dem Tourismus bisher nur spärlich öffneten. Klaus Rimpel über die Türkische Republik Nordzypern, ein unentdecktes Juwel am Rande Europas.

Plötzlich bewegt sich etwas unter den Oliven- und Johannisbrotbäumen: Eine Gruppe von fünf tiefschwarzen Eseln nähert sich, ein Tier blickt neugierig in Richtung unseres Busses, die anderen grasen friedlich weiter, von der Störung durch uns Touristen unbeeindruckt. Das sind sie also, die einzigen Wildesel Europas! Rund 400 der Esel, die größer und edler wirken als ihre gezähmten Verwandten, leben auf der Karpas- Halbinsel, dem östlichsten Zipfel der in einem griechischen und türkischen Teil separierten Mittelmeerinsel. Die Esel sind das Symboltier Nordzyperns. Ein sehr passendes Symbol. Denn Esel gelten ja als liebenswert und störrisch-schwierig zugleich - so wie dieser Landstrich selbst.

Juwel am Rande Europas

Die Schwierigkeiten gehen schon bei der Anreise los. Da der seit 1974 von der türkischen Armee besetzte Norden Zyperns von keinem Staat außer der Türkei anerkannt wird, ist es nicht möglich, direkt von Deutschland aus hinzufliegen - anders als ins griechische Südzypern. Wer also zum nordzyprischen Flughafen Ercan gelangen will, muss in Istanbul umsteigen - oder zumindest auf türkischen Boden zwischenlanden. Das bedeutet für den Tourismus natürlich einen Riesen-Nachteil gegenüber den Urlauber-Hochburgen im Süden wie Larnaka oder Limassol. Das hat Konsequenzen: In den Norden reisen nur 116 171 nicht-türkische Touristen jährlich (plus 307 000 Besucher aus der Türkei) während sich im Süden 2,14 Millionen drängeln.

Doch - und da sind wir beim liebenswerten Aspekt - für die um drei, vier Stunden längere Anreise wird der Reisende belohnt: mit kilometerlangen, einsamen Stränden auf der Halbinsel Karpas, wo zwischen Mai und August sogar vom Aussterben bedrohte Meeresschildkröten beobachtet werden können. Und mit kulturellen Höhepunkten wie den erstaunlich gut erhaltenen römischenAusgrabungen von Salamis, dem orthodoxen Barnabas-Kloster oder der gotischen Abtei Bellapais - Sehenswürdigkeiten, die sich vor denen im viel beworbenen und viel besuchten Süden gewiss nicht verstecken müssen.

Unberührte Schönheit

Doch solche Schönheit wird in Nordzypern überlagert von der Politik. Seit nunmehr 36 Jahren wird die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern mit einem UN-Embargo belegt - das entgegen den Versprechungen der EU auch dann nicht gelockert wurde, als die türkische Bevölkerung im Norden am 24. April 2004 in einer Volksabstimmung mit einer klaren Mehrheit von 61 Prozent für den Wiedervereinigungs- Plan der UN stimmte. Die Griechen im Süden stimmten dagegen, wurden dann aber trotzdem in die EU aufgenommen.
Alle Waren müssen nun also weiterhin über die Türkei eingeführt werden, selbst die Urlauber-Postkarte muss erst in die Türkei geschickt werden, ehe sie weitertransportiert werden darf. Das Embargo führt zu solch bizarren Situationen, dass ein im Norden verstorbener Österreicher monatelang im Kühlraum einer Leichenschauhalle liegen muss, weil sich die österreichische Botschaft im Süden und die türkisch-zypriotische Regierung nicht über den Weg und die Kostenübernahme des Rücktransports einigen konnten.

Die Politik ist es auch, die die hässlichen Bausünden zu verantworten hat, die die Region um Famagusta und Girne verschandeln: Ohne Bebauungspläne werden da gesichtslose, den Großteil des Jahres oder gar für immer leerstehende Ferienhaus- Siedlungen hochgezogen, die oft nicht einmal an die Strom- oder Wasserversorgung angeschlossen sind.
Die Regierung Nordzyperns hofft nämlich, dass die vielen britischen Rentner, die sich dort ein Häuschen in Meeresnähe kaufen, bei EU und UN Druck machen könnten, endlich doch noch den Wirtschafts- und Polit-Boykott gegen Nordzypern aufzuheben. Zudem werden mit israelischen und russischen Geldern gigantische Hotel-Klötze hochgezogen: In Bafra sind bereits Bettenburgen für 14 000 Touristen genehmigt worden, zwei Hotels mit 2000 Betten stehen bereits am 118 Kilometer langen Strand im Südosten der Insel.

Aber auch die noch unberührte Schönheit bei den Wildeseln in Karpas ist letztlich der Teilung der Insel und der Politik geschuldet: Denn die Halbinsel war bis vor wenigen Jahren militärisches Sperrgebiet. Heute steht die Landschaft unter Naturschutz.

Zwei kleine Holzpavillon-Restaurants mit Übernachtungsmöglichkeiten in Hütten gibt es an der Spitze der Halbinsel. Als wir dort ein Efes-Bier trinken, trabt plötzlich ein Esel heran. "Der kommt jeden Tag, um sich füttern zu lassen", erzählt unser Wirt Burhan Kalin. Das Brot der Touristen nimmt der Wildesel gerne. Doch einfach streicheln wie ein Hausesel lässt er sich nicht - liebenswürdig, aber schwierig. Wie Nordzypern eben.

Klaus Rimpel

Quelle und weitere Infos


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